Kleine Pfadgeschichte

Reinhard Antes erzählt wie alles begann

Am 16. August 2005 um 13:39 war die eigentliche Geburtsstunde des Erlebnispfades Wein und Stein.

In einem E-Mail an Herrn Prof. Dr. Karl Josef Sabel vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie stellte ich an diesem Tag die Frage, ob er sich so einen Pfad in Kooperation mit dem UNESCO-Geopark Bergstrasse Odenwald vorstellen könnte. Auslöser war die gerade stattfindende Exkursion der deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft in Heppenheim. Zum ersten Mal sprach ich mit jemanden über meinem Traum von einem geologischen Weinlehrpfad, der die engen Beziehungen und Verflechtungen von Wein, Rebstock, Boden und Gestein in unserer Region vor Augen führen sollte.

Der Geburt war eine längere "Schwangerschaft" vorausgegangen, denn der Traum war in vielen Jahren zuvor gereift. Angefangen hatte es mit der Idee, Hobby (Mineraliensammeln) und Beruf (Dipl. Weinbauingenieur) irgendwie zu verknüpfen. Zu augenfällig waren die zahlreichen Schnittstellen und Parallelen zwischen beiden Fachgebieten, die mich fast zwangsläufig dazu inspirierten.

Das erste Projekt war naheliegend: Einen Wein mit einem Etikett ausstatten, das Mineralien zeigte. Möglichst aus dem Odenwald sollten diese sein. Aber woher ein gutes Foto bekommen? Unsere Odenwald-Mineralien sind zwar sehr interessant, aber es gab zu wenig qualitativ gute Fotos. Mineralienfotografie ist schließlich sehr schwer und gute Fotografen selten. Also blieb es ein paar Jahre bei der Idee.

Dafür konnte ich mir in dieser Zeit einen anderen Wunsch erfüllen. Seit dem Berufspraktikum 1976 im Institut für Rebenzüchtung in Geisenheim hatte ich immer wieder an die wenigen dort im kleinen Glasballon vergorenen Liter einer Rebsorte gedacht, die damals kaum noch angebaut wurde: Der „blaue Saint Laurent“.

Doch in diesen Jahren war die Bergstrasse noch ein reines Weißweingebiet. Rotwein war kein Thema; geschweige denn Saint Laurent. Zwanzig Jahre später war die Zeit auf Grund des Rotweinbooms aber reif: Einen Hektar groß wurde die erste Pflanzung im Heppenheimer Stemmler ! Und noch etwas wurde in dem Weinberg "versteckt": Die ersten 5 Pflanzen des "roten Rieslings" - dem Urvater der wichtigsten deutschen Rebsorte Riesling.

Wieder ein Jahr später: Der erste Wein war gerade im Holzfass fertig vergoren und in der ersten Jungweinprobe faszinierte uns die Farbe und sein an Kirschen erinnernder Geschmack. Der Wein hatte seinen speziellen Charakter und sollte bald gefüllt werden. Jetzt half Kommissar Zufall weiter: Denn wenige Tage später sollte der Besuch der Mineralienbörse in Heidelberg dazu dienen, die Mineraliensammlung im Dachgeschoß durch ein weiteres Unikat zu bereichern. Das war auch bald gefunden. Ein wunderschöner Zinnoberkristall hatte mich fasziniert: Dem Anbieter sagte ich: „Der Kristall hat die gleiche Farbe wie unser Saint-Laurent! Davon wünsche ich mir ein Foto für ein Wein-Etikett!“.

 „Können Sie von mir haben!“ Der die trockene Antwort gab, war Herr Gerd Wiedenbeck. Und seine Spezialität war Mineralienfotografie! Kurze Zeit später war das erste Etikett „Wein und Stein“ geboren. Später wurde daraus eine ganze Serie. Und immer sollten die Fotos von Gerd Wiedenbeck sein.

Was dann folgte, war kein Zufall mehr, sondern eher zwangsläufig: Zum Adventsmarkt im Jahr 2000 veranstaltete die Bergsträßer Winzer eG eine Ausstellung „Wein und Stein“. Vorträge,  Mineralienausstellung und eine Ausstellung der Originalausgabe der "Standortkartierung der Bergstrasse" aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren da schon Bestandteil und gaben mir Gelegenheit, mit Schautafeln Zusammenhänge zwischen unserer geologischen Vergangenheit und unseren Weinen anzusprechen.

Diese Ausstellung fiel zufällig in die Zeit einer anderen „Schwangerschaft“: Landrat Norbert Hofmann verfolgte seinerseits die Idee des „Geoparks“ Bergstrasse-Odenwald, der die Stärken unserer Region und Heimat nach draußen tragen könnte. Was lag da näher, als bei der Umsetzung des Projektes einen „Geopark-Wein“ zu füllen? Und siehe da, möglicherweise war es gerade der Tropfen von der Bergstrasse, der die strenge Kommission dazu animierte, überraschend schnell das Geopark-Siegel an die kleine Bergsträßer Truppe zu vergeben, die zur Bewerbung  in die Wachau gereist war…

Die Kooperation zwischen Bergsträßer Winzer eG und Geopark war erfolgreich und weitere Ideen wurden umgesetzt. Ein Geopark-Sekt folgte. Bei der Auswahl tauchte zwangsläufig immer die Lage Steinkopf auf. Und als die Exkursion der Tagungsteilnehmer im August 2005 in einer Grabung das Bodenprofil genau dort unter die Lupe nahm, machte es „klick“. Am nächsten Tag schrieb ich das eingangs erwähnte E-Mail…

Keine 24 Stunden später war die Antwort von Herrn Prof. K.J. Sabel da: „Ja, das HLUG macht mit! Die Kooperation mit dem Geopark ist prima“. Noch am gleichen Tag weihte ich Herrn Otto Guthier, Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG und Vorsitzender des Weinbauverbandes Hessische Bergstrasse ein. Ein Termin mit den Vertretern des Geoparks wurde vereinbart. Das schnelle Signal von Frau Dr. Jutta Weber und Herrn Reinhard Diehl: "Ja, das passt in unser Geopark-Konzept!"

Im September 2006 deutete ich unserem Bürgermeister Herrn Gerhard Herbert beim Zusammentreffen auf dem Bensheimer Winzerfest an:  „Es kann sein, dass da was auf Heppenheim zukommt…“

Im Oktober 2006 gab es die ersten Gespräche mit Herrn Prof. Ernst Rühl vom Institut für Rebenzüchtung in Geisenheim über mögliche Formen der Beteiligung am Projekt. Auch hier sofort die Antwort: „Wir machen mit und bringen gleich noch die Bundesforschungsanstalt als Partner mit.“ Schon zehn Jahre zuvor hatte mir das Institut ein Geburtstagsgeschenk gemacht und genau an dem Tage das Willbacher-Projekt  zum Erhalt dieser alten Sorte begonnen. Was lag da näher, nun die erste Auspflanzung der Forschungsergebnisse auch am geplanten Erlebnispfad unterzubringen?

Am 26. Oktober stellte Frau Dr. Jutta Weber das erste schon sehr konkrete Konzept vor. Die Ausführung sollte im Geopark-Design erfolgen. Die ersten Vorschläge für Stationen entstanden, die Wegstrecke wurde angedacht und Plätze für die Schilder ausfindig gemacht. Eine Präsentation wurde erstellt, um auch mögliche Sponsoren ansprechen zu können.

Am 25.11.2006 präsentierte sich der Geopark beim Adventsmarkt der Bergsträßer Winzer eG. Dessen Geschäftsführer Herr Reinhard Diehl zeigt den Gästen eine eindrucksvolle Show des Geoparks und wir konnten ankündigen, dass da eine weitere Kooperation mit dem Geopark „im Busch ist“. Wenige Minuten später sagte mir Herr Gerhard Röhrig auf meine Frage spontan zu, das Projekt zu unterstützen. Ein Stein fiel mir im wahrsten Sinne des Wortes vom Herzen. Am Schluss waren es dann ganze 35 Tonnen Steine, die heute entlang des Pfades stehen. Die Zusage von Herrn Röhrig machte Mut, weitere Sponsoren anzusprechen. Niemals hätten wir erwartet, dass es einmal mehr wie einhundert sein würden…

Am 1.12.2005 erstellten wir zusammen mit dem Geopark einen Kostenrahmen und am 12.12.2005 bekräftigten Bergsträßer Winzer eG und UNESCO-Geopark in einem Schreiben ans Ministerium für Verbraucherschutz, Umwelt und ländlichen Raum ihre Kooperation mit der Bitte um Unterstützung.
Das Weinbauamt Eltville wurde am 15.12.2005 informiert und auch von dort kam sofort die Zusage der Unterstützung insbesondere des Rebsortenprojektes mit einer Sondergenehmigung bezüglich der Anpflanzung bestimmter historischer Sorten.

Am 30.12.2005 beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat der Bergsträßer Winzer eG einstimmig, den Pfad in Angriff zu nehmen. Man versprach sich, einen weiteren Baustein fürs „Eventmarketing“ zu bekommen.

Anfang 2006 sagten auch die Firmen Josef Schmitt und Marmor-Lulay sofort zu. Diese Zustimmung machte Mut, denn bis zu diesem Termin hatte noch keiner, der angesprochen wurde länger als 30 Sekunden gezögert, mitzumachen!

Am 24.1.2006 wurde die Strecke festgelegt und eine der wichtigsten Zusagen für einen wichtigen kulturhistorischen Schlüsselteil des Projektes, den Weinberg mit den autochthonen Rebsorten, kam von Familie Rau. Sie würde diesen Weinberg bewirtschaften.

Am 7.2.2006 wurde Herr Bürgermeister Gerhard Herbert über die konkreten Planungen unterrichtet und versprach, bis zur Eröffnung des Pfades, den fast 40 Jahre alten Winzerbrunnen instand setzen zu lassen. Der Brunnen sollte in seinem Jubiläumsjahr zum Start– und Zielpunkt des Erlebnispfades werden, da eine innerstädtische Parkmöglichkeit benötigt wurde.

Am 14.2.2006 bekräftigten alle bis dahin beteiligten Teilnehmer und Partner des Projektes ihren Part durchzuführen. Man wartete nun auf die Zusage zur Förderung aus dem Ministerium.

Diese kam am 13.6.2006. Damit war der Rest der Finanzierung gesichert. Es konnte losgehen. Im Geisenheimer Institut wurden die ersten Reben getopft und vorgetrieben und schon am 6.7.2006 verblüffte der Bürgermeister alle: Der Winzerbrunnen läuft schon wieder und im ersten Pressetermin kündigten UNESCO-Geopark und Bergsträßer Winzer eG in der Öffentlichkeit das Kooperationsprojekt an. Der Zeitrahmen war extrem ehrgeizig, denn schon 9 Monate später sollte das Kind zur Welt kommen…

Am 8.7.2006 pflanzten drei Winzergenerationen den historischen Weinberg mit autochthonen Rebsorten und am 18.7.2006 schwebte das Vino-Kino-Fass auf seinem neuen Standort ein.

Dann folgte kaum noch ein Tag, an dem nicht die Abendstunden draufgingen, um Material und Fotos zu sammeln, das für den Pfad interessant sein könnte. Das Fotoarchiv war schon in den Vorjahren entstanden. An den Wochenenden wurde geordnet und erste Schildertexte entworfen. Hunderte von Mails wanderten zwischen Frau Dr. Weber,  Frau Susanne Bühn, die das Layout erstellte, und mir hin und her. Im November und Dezember 2006 gab es die ersten Entwürfe. Ein Urlaub in der Oberpfalz wurde zum Arbeitsurlaub für die Entwürfe der Lehrtafeln. Familie und Kinder mussten zurückstehen. Doch nur so wurden auch die „theoretischen Voraussetzungen“ geschaffen, vielleicht doch noch den engen Terminplan einhalten zu können.

Weitere Gespräche mit möglichen Sponsoren fanden statt und bei allen das gleiche frappierende Ergebnis:  Jeder war sofort dabei! Es bedurfte nur weniger Worte. Am Ende war es fast schon ein bisschen schwierig, noch geeigneten Platz für die Objekte zu finden.

Erstmals bei den Gesprächen mit Herrn Ernst Goss, der die große Steinskulptur "Custode dei vigneti" stiftete, gab es so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl der Beteiligten, zusammen etwas Großes zu bewerkstelligen, das keiner allein hätte erreichen können. Ein Gefühl, das sich bald auch bei allen anderen Betroffenen einstellte, die in irgendeiner Form beteiligt waren. Angefangen vom gesamten Geopark-Team mit Montage und Aufstellung der Schilder und Wegweiser. Herr Gerhard Röhrig nahm sich mehrfach die Zeit, bei der Auswahl der Granit-Blöcke zu helfen.  Die Herren Schmitt übertrafen die ursprüngliche Zusage für die Markierungen mit zusätzlichen Texten an besonderen Steinen. Die Mitarbeiter des Gewässerverbandes, die uns unter der Leitung von Ewald Röder mit dem Kran beim Aufstellen der Steine tatkräftig unterstützten, gaben sich besondere Mühe, jeden Stein mit seiner Schokoladenseite ins rechte Bild zu setzen. Eine regelrecht euphorische Begeisterung legten die Mitarbeiter der Firma Kilian an den Tag, als sie bemerkten, dass die neue Steinflasche etwas bis dato Einmaliges war. Nachdem diese als erstes weithin sichtbares Objekt am Steinkopf zu sehen war, waren es dann die Spaziergänger und Wanderer, die vor den ersten Schildern standen und mit ihrer positiven Reaktion einen weiteren Motivationsschub auslösten.

So fiel es in den rasend schnell vergehenden Wochen leichter, alles in Angriff zu nehmen. „Wir freuen uns, dass hier etwas passiert“ war einer der meist zu hörenden Sätze, wenn ein neuer Sponsor zum „Club“ beitrat. Verkehrs– und Heimatverein mit den Sitzbänken, Volksbank Bergstraße mit der „strata montana“-Skulptur, Wohnbau Bergstraße mit dem steinernen „Centurio“, Nibelungenland-Info mit „Terra Starkenburg“ seien als weitere Beispiele genannt. Ebenso wie die zahlreichen Firmen und Lieferanten der Bergsträßer Winzer eG, die mit ihrer finanziellen Unterstützung Druck und Layout der Schilder finanzierten.

Besonderer Dank gilt den verschiedenen Autoren der Forschungsanstalt Geisenheim, auch Herrn Andreas Jung und Frau Sabine Knapp, die ihre Fachbeiträge termingerecht einreichten.

Nächtelang waren die „Sitzungen“ mit Soundman Dirk Gugenberger beim Erstellen des riesigen Panoramabildes und beim Endschnitt der „Vino-Kino“-Filme, immer mit dem Ziel, der Perfektion ein Stückchen näher zu kommen. Damit diese heute auch unter Extremwitterungsbedingungen im Fass ablaufen können, sorgte Herr Bernhard Amthor mit der Beschaffung eines witterungssicheren Präsentationsbildschirms aus dem Fundus des Frankfurter Flughafens.

Der Dank wäre nicht komplett, wenn nicht auch die Winzer erwähnt würden, ohne die der Pfad nicht möglich gewesen wäre. Seien es die Mitglieder der Bergsträßer Winzer eG, aber auch die örtlichen Weingüter, die mit der Stellung von Flächen für Bänke und Skulpturen auch die Aufgabe übernommen haben, diese zu pflegen. Die Familie Rau, die den Willbacher-Weinberg bewirtschaftet, gehört ebenfalls dazu, wie die Mitarbeiter der Bergsträßer Winzer eG, die den Pfad auch künftig mit Leben erfüllen werden.

Es fällt schwer, an dieser Stelle all die unzähligen Eindrücke zusammenzufassen, die in den Wochen und Monaten des Aufbaus den „Wein- und Stein“-Pfad auch für mich zum Erlebnis machten. Es sei mir deshalb verziehen, wenn nicht alle Mitstreiter namentlich genannt werden können. 

Ich verbinde mit dem Pfad die Hoffnung, dass auch die künftigen Besucher des Pfades einen Hauch der Begeisterung für Boden, Wein und Landschaft in unserer Heimat verspüren, die treibende Kraft und Motivation für alle Beteiligten war. So sollte der Weinbau, der einst Anlass für die erste urkundliche Erwähnung Heppenheims war, auch in Zukunft eine tragende Rolle in der Geschichte unserer Stadt ausfüllen.


Nachtrag Weihnachten 2008:

Bis dahin war es eine Geschichte bis zur Eröffnung des Pfades. Ursprünglich sollte das Projekt damit beendet sein.
Doch der Pfad entwickelte ein "Eigenleben". Weitere Sponsoren kamen schon bald nach der Eröffnung hinzu. Unter Vermittlung von Herrn Landrat Mattias Wilkes förderte die Hessenagentur zusammen mit der Jägerschaft Heppenheims und Hambachs, den Firmen Kladek und Schilling und anderen Beteiligten den Bau der ersten Steinkopf-Webcam, der schon bald mit Hilfe weiterer Gönner die zweite folgte. Die Möglichkeit, die eigene Wanderung im Internet zu verewigen, entwickelte sich sofort zum Renner. Freunde in aller Welt konnten nun gegrüßt werden und mancher verabredete sich, um zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwohin in der Welt Grüße zu senden oder um an Silvester dort oben um Mitternacht das neue Jahr zu begrüßen. 

Die Geocacher entdeckten den Georeferenzpunkt und erste Beiträge im Internet erschienen. Schulklassen machten Ausflüge und die Besucher der ersten Stunde brachten ganze Gruppen mit. Die Strecke wurde unter Google-Earth verlinkt, zahlreiche Artikel in Zeitungen und Büchern erschienen und zwischendurch gab es immer wieder neue Ideen und Kunstwerke. So wurde auch die Idee von Frau Dr. Weber zu einem "mediterranen Garten" aufgegriffen und konnte Dank tatkräftiger Unterstützung der Familie Goss (Wegebau im Steilhang), der Jäger, Hessen Forst, Gartenbaumschulen Darmstadt, KLARA-NET und vor allem der Sparkassenstiftung der Sparkasse Starkenburg umgesetzt werden. Letztere sorgte auch mit der Einrichtung eines Kunstweges am Steinkopf mit insgesamt 5 Kunstwerken für eine große Aufwertung. Perfekt war das Timing: Die Einweihung des mediterranen Gartens erfolgte genau am bis dato heißesten Tag des Jahres. Schweißtropfen unter Palmen im Weinberg...

Ebenso unvergesslich war die Einweihung der Skulptur "zwischen Granit und Sandstein wird der Wein geboren": Diesmal sorgte ein Gewittersturm mit Blitz und Donner für eine echte "Taufe" des Kunstwerks, das in den Wochen zuvor live im Weinberg von Frau Eva Gesine Wegner aus Stein gemeißelt worden war. Es soll an die Geburtshilfe des Kellermeisters bei der Weinwerdung erinnern und ist unserem in den Ruhestand verabschiedeten langjährigen Kellermeister Hans Jürgen Weber gewidmet.

Und schließlich ging, nachdem weitere Erlebnispfadtafeln erstellt waren, ein besonderer persönlicher Wunsch in Erfüllung: Der Reblaus, der schließlich unsere Familie den Lebensunterhalt verdankt, sollte ein "Denkmal" gesetzt werden. Möglich wurde dies durch eine Verkettung von glücklichen Begegnungen - allesamt am Erlebnispfad. Innerhalb einer einzigen Woche ergaben sich zufällige Bekanntschaften und Gespräche, die bald zur Skulptur "Aus die Laus" führten, entworfen vom Künstler Siegfried Speckhardt und gestiftet von Frau Rosemarie Cohausz mit Unterstützung von Josef Sartorius und Gerhard Röhrig. Die Skulptur steht nur wenige Meter entfernt von der Stelle, an der die erste Reblaus nach ihrer Wanderschaft quer durch Europa eintraf und die Bergstraße als letztes deutsches Weinbaugebiet besetzte.

Mit der Prominentenweinlese durch die "Botschafter der Bergstrasse" führte der Landrat des Kreises Bergstrasse, welcher inzwischen die Patenschaft über den Weinberg mit alten Rebsorten übernommen hat, eine hoffentlich lange dauernde Tradition ein. Und mit einer gemeinsamen Weinlese der Bensheimer und Heppenheimer Magisträte am Pfad wurde der Tag der deutschen Einheit nun auch zwischen den beiden Nachbarstädten mit Leben erfüllt.

Und eine andere Idee ist inzwischen 14 Jahre nach der ersten Testpflanzung verwirklicht: Der rote Riesling hat eine Wiedergeburt erlebt und wir können heute (Stand März 2009) mit Stolz sagen, dass wir inzwischen die "weltgrößte" Pflanzung dieser Sorte ausgerechnet in Heppenheim im kleinsten deutschen Weinbaugebiet unser eigen nennen. Mit dieser Verknüpfung der Themen "Erhalt genetischer Ressourcen" mit den Erkenntnissen des Klimawandels kann es gelingen, den künftigen Erfordernissen Rechnung zu tragen. So bringt vielleicht eines der zentralen Anliegen des Pfades - der Hinweis auf den Klimawandel - eine Lösung aus der Vergangenheit, nämlich aus der mittelalterlichen Warmzeit, in der viele alte wärmeliebende Sorten einmal zur dreifachen deutschen Rebfläche bis hoch zur Nord- und Ostsee geführt hatten:

Inzwischen sind rund ein Dutzend Erlebnispfad-Führer im Einsatz, um die zahlreichen Exkursionen und Wanderungen zu begleiten und mein besonderer Dank gilt ihrem Engagement in der Freizeit! Ohne die zahlreichen Sponsoren und vielen hier leider ungenannten Helfer wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Ihnen allen ist es gelungen, ihre Verbundenheit zu uns Winzern und zu unserer Heimat und Weinregion in Deutschlands Frühlingsgarten zum Ausdruck zu bringen: Bergsträßer Wein ist nicht nur ein Getränk, es ist vielmehr ein Lebensgefühl.

Dieses Gefühl möchten wir auch unseren Gästen vermitteln. Ich hoffe daher, dass es auch in den nächsten Jahren gelingen wird, die Attraktivität unseres Kooperationsprojektes weiter zu erhöhen. Dazu benötigen wir weitere Unterstützung und wir hoffen, dass wir vielleicht noch im Jahr 2009 den 100.sten Sponsor am Pfad begrüßen können.

Nachtrag Im Frühjahr 2014:
Die Zahl der Sponsoren hat längst die Zahl 100 überschritten: Inzwischen hat der Erlebnispfad seine eigene „Aromabar“ zum Erschnuppern der typischen Düfte der Bergsträßer Rebsorten und ist in zahlreichen Veröffentlichungen erwähnt. Eine Schilderserie „die Organe der Rebe“ ist begonnen und wird nach und nach erweitert.

Inzwischen nimmt die größte künftige Attraktion am Erlebnispfad Gestalt an: Das VINIVERSUM © der Bergsträßer Winzer. Sie dürfen gespannt sein, was im und am Viniversum alles entstehen wird und Ende 2014 zum 110-jährigen Jubiläum des Erlebnispfads der Öffentlichkeit vorgestellt werden wird.