Die Genesis von König Riesling

Die Genesis von König Riesling

Das Thema der Skulptur

Der rote Riesling gilt als Urform des Königs der deutschen Rebsorten, dem weißen Riesling. Er unterscheidet sich von diesem nur durch die rötliche Beerenfarbe, ergibt aber auch einen Weißwein! Der Beweis für diese Abstammungstheorie: Man findet oft im roten Riesling Mutationen zu weißen Beeren - nie umgekehrt. Also ist er älter! Seine genaue Herkunft ist nicht geklärt. Erstmals wurde er 1490 nur 20 km von hier bei Worms erwähnt.

Im Mittelalter standen beide Varianten im gemischten Satz im Weinberg. Die rote Version geriet aber in Vergessenheit, denn sie ergibt „nur“ Weißwein. Vermutlich wurde der Anbau auch wegen der Vögel verringert, die attraktivere rote Beeren zuerst fressen. Zuletzt gab es nur noch wenige Exemplare in alten Sortimenten. Die Forschungsanstalt Geisenheim arbeitete dann an der Wiederbelebung, selektionierte Vermehrungsmaterial und die Rebveredlung Antes pflanzte hier 1996 „Pilotreben“. Inzwischen wird von den Winzern der Bergsträsser Winzer eG die „weltgrößte“ Fläche dieser historischen Sorte angebaut!

Der Wein des roten Riesling ist voller im Geschmack, extraktreicher und hat ein intensiveres Aroma.

Die Idee zur Skulptur

Die Idee entstand schon 2007 kurz nach der Eröffnung des Erlebnispfads spontan schon beim ersten Anblick einer anderen Traubenskulptur des Künstlers Adolf Mayer in Tramin (Südtirol). Es lag nahe, den Künstler ausfindig zu machen, denn eine Steintraube würde schließlich wunderbar zum Thema „Wein und Stein“ des Pfades passen. Das „Nachdenken“ darüber dauerte jedoch 3 Jahre lang, denn es sollte schließlich nicht nur „irgendeine“ anonyme Traube sein, sondern sie sollte möglichst eine eigene Geschichte erzählen. Daraus entstand schließlich der Gedanke, damit zu dokumentieren, dass unsere Hessische Bergstraße inzwischen ein Zentrum des Anbaus des roten Rieslings ist. Zugleich konnte so noch die Entstehungsgeschichte unserer wichtigsten Rebsorte – dem weißen Riesling – gezeigt werden. Am 6.6.2010 teilte ich diese Idee endlich Herrn Adolf Mayer mit, der sofort darauf einging.

Doch der allerwichtigste Teil fehlte zu diesem Zeitpunkt noch. Nämlich das Geld für die Skulptur, die sehr aufwendig in der Erstellung werden würde…

Anlässlich des Bergsträsser Weinmarkts 2010 bot sich Herr Kilian bei einem Glas Wein spontan an, Fundamente und Aufstellung zu übernehmen, wenn wir einmal einen Sponsor für die Skulptur finden würden. Die Firma Kilian hatte ja bekanntlich schon im 2007 das heutige Wahrzeichen des Pfades - die Steinflasche auf dem Steinkopf - gestiftet.

Die Suche nach dem Hauptsponsor konnte beginnen und wir wurden erfreulicherweise sehr schnell fündig. Denn es war es ein glücklicher Zufall, dass die Familie Streit derzeit den Halben Mond in Heppenheim in bewundernswerter Weise renoviert. Als exakt 100. (!) Sponsor am Erlebnispfad wollte sie ein deutliches Zeichen anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung des Halben Mondes setzen! Die Familie Streit möchte damit insbesondere auf die enge historische Verbundenheit des Halben Mondes mit dem Weinbau hinweisen.

Die Geschichte

Denn früher war einmal der größte Teil der Spitzenlage Steinkopf im Eigentum des Halben Mondes. Dieses alte Foto zeigt diese riesige Weinbergsanlage am Steinkopf.

Weinbergsanlage am Steinkopf

Die Rieslingweine der Spitzenlage waren weithin als „Steinköpfer“ bekannt, und inspirierten uns schon zur Skulptur eines Steinkopfes in der Nähe der Webcam am Erlebnispfad.

Doch nicht nur große Weinberge sondern auch schöne Gebäude wurden vom Halben Mond am Steinkopf erstellt: So z.B. die sogenannte Philippinenruhe (Bj. 1840):

Philippinenruhe
Steinkopfhaus

Rechts Steinkopfhaus Baujahr 1904 (1906)
Bildquellen: „Kulturdenkmäler Hessens“

Der südliche Steinkopf mit den beiden Häuschen zählt heute zu den Kulturdenkmälern Hessens. Die Beschreibung dazu lautet:

„Bedeutende Weinbergslage Heppenheims, durchzogen vom Schneckenpfädchen und von teilweise sehr alten Stützmauern. Markant das weithin sichtbare Weinbergshäuschen "Philippinenruhe". Errichtet um 1840 von dem angesehenen Wirt des Traditionsgasthauses "Halber Mond", der es zu Ehren seiner zweiten Ehefrau Philippine, geb. Kissel gebaut haben soll. Das klassizistische Gebäude ist vollständig in gelbem Sandstein errichtet und zeigt zur Rheinebene nach Westen zwei hohe, heute vermauerte Rundbogenöffnungen. Eine weiterer Rundbogen auf der Südseite rahmt den Eingang. Ein flaches Schiefer-Walmdach schließt das Gebäude ab, nach Norden, unterhalb eines in Höhe der Kämpfer umlaufenden Gesimses, befindet sich noch eine querovale Lichtöffnung. Das auch baukünstlerisch ansprechend gestaltete Häuschen ist als Zeugnis der bedeutenden Bergsträßer Weinbaukultur von besonderer Bedeutung. Oberhalb, auf der Höhe des Steinkopfs, am Ende des Schneckenpfädchens, befindet sich das jüngere "Steinkopfhäuschen", ein massiv errichteter öffentlicher Weinbergs- bzw. Aussichtspavillon. Quadratischer Grundriss, eingeschossig über egalisierendem Sockelgeschoss, geknicktes Pyramidendach mit Knauf. Der Eingang ins Untergeschoss mit glattem Sandsteingewände, hier das Baudatum 1906. Westlich Treppenanlage zur Aussichtsloggia. In reizvoller Lage bietet der historische Pavillon Ausblick in die Rheinebene und ins Hambacher Tal“

Die Weinberge des Halben Mondes auf der Südseite des Steinkopfes befinden sich heute im Besitz des Landes Hessen.

Die Umsetzung

Adolf Mayer sammelte die Stein für die Skulptur an Flüssen im Trient. Bei den roten Steinen handelt es sich um Porphyrsteine. Die weißen Steine, die den weißen Riesling symbolisieren, handelt es sich um weißen Granit. Alle Steine sind angebohrt und an einen zentralen massiven Traubenstiel geschweißt. Als Vorlage für die Traube dienten dabei Originalbilder vom Bergsträsser Roten Riesling. 

Die Steintraube hat ein Gewicht von rund 1,5 Tonnen. Den Transport von Südtirol nach Heppenheim hat die Bergsträsser Winzer eg übernommen. Die Firma Kilian hat die Fundamente erstellt und die Traube aufgestellt.

Der Künstler

Adolf Mayer wurde 1958 in Tramin geboren. Er bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen „Bastler“ mit immer neuen Ideen. Eine davon ist das „Traubenbauen“. Exemplare stehen u.a. in Tramin, in unserer Partnerstadt Kaltern oder auch im rheinhessischen Alzey.

Die Vielseitigkeit von Herrn Mayer wird durch seine Tätigkeit im Gastgewerbe und die Beschäftigung mit seinen Kaltblutpferden unterstrichen und hat mit seinen Kutschen schon viele Prominente chauffiert.

Entstehung und Einweihung der Skulptur