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| Die Bodenprofile am Verkaufsgebäude der Bergsträsser Winzer eG |
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Sabine Knapp 20 000 Jahre Geschichte in einer Kiste Guter Wein braucht nicht nur Sonne und einen guten Kellermeister. Auch das Fleckchen Erde, auf dem der Rebstock wächst, hat einen erheblichen Einfluss auf die Qualität der Trauben. Manche Kenner schmecken sogar, auf welchem Gestein die Reben gewachsen sind. Die Winzergenossenschaft Bergsträßer Winzer eG und der Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald stellen deshalb diesen Geopark-Erlebnispfad unter das Motto „Wein und Stein“. Eine der ersten Stationen zeigt vier so genannte Kastenprofile von Weinbergsböden. Eines dieser Profile wurde in einer abenteuerlichen Aktion am Weinlagenweg zwischen Heppenheim und Bensheim entnommen. Die Sonne scheint und es ist ein wunderbarer Herbsttag. Am Wegrand in der Weinlage Stemmler kratzen drei Männer vorsichtig mit Klappspaten und Maurerkellen in einer Böschung herum. Zwei junge Frauen joggen vorbei und rufen den Männern zu: „Was macht ihr denn da. Sucht ihr Erdnüsse?“ „Nein“, antwortet einer. „Wir suchen eine Parabraunerde. Die wollen wir in eine Kiste packen.“ Karl-Josef Sabel ist Leiter des Dezernats für Bodenschutz am Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Gemeinsam mit Martin Irle (HLUG) und Oliver Wegener, einem Bodenwissenschaftler der Uni Frankfurt, präpariert er die Stelle, an der das erste Bodenprofil für den Geopark-Erlebnispfad „Wein und Stein“ aus der Böschung entnommen werden soll. Von Efeu und Laub befreit, wirkt die Böschung unerwartet wohlgeordnet. Direkt unter der Grasnarbe ist alles schwarz, darunter folgt ein dunkelbrauner Bereich und die untersten zwei Drittel der lockeren Erde sind hellgelb. Die hellen Klumpen zerbröseln in der Hand zu sandigem Staub. In den Fingerrillen bleibt ein mehliges Gelb zurück. Exakt waagerecht und wie mit dem Lineal gezogen sind die Übergänge von den dunklen Stellen zu den helleren. „Horizonte“ nennen die Bodenkundler diese klar abgegrenzten Bereiche. „In diesen feinen Sand- und Staubschichten können wir Bodenkundler lesen wie in einem Buch“, erläutert Sabel. „Das sind die Buchstaben vom Text unserer Landschaftsgeschichte. In dieser Böschung beispielsweise stecken gut 20 000 Jahre drin“. Der gelbe Staub, der in den Fingerrillen hängen bleibt, ist Löss – ein Gesteinsmehl aus den Alpen, das kalte Eiszeitwinde aus dem trockenen Flussbett des Rheins an die Hänge der Bergstraße geweht haben. Erst seit 12 000 Jahren herrscht in Mitteleuropa ein etwas milderes Klima, in dem es öfters regnet. Das Wasser verwittert über die Jahrtausende den Löss. So bilden sich mit der Zeit die braunen und schwarzen Horizonte und es entsteht ein Boden, den die Fachleute „Parabraunerde“ nennen. Auf der Krone der Böschung wachsen Haselnusssträucher. Das feine Gespinst ihrer Würzelchen durchzieht nur die dunklen Bereiche der Böschung. Aber warum sind im hellen Löss keine Wurzeln? Oliver Wegener erklärt das so: „Die Wurzeln sind dort, wo die Pflanzen auch etwas aus dem Boden heraus holen können. Ohne Verwitterung ist der Löss nicht fruchtbar, deshalb sind dort kaum Wurzeln.“ Sabel ergänzt: „Das ist so, als hätte jemand den Keller voller Konservendosen aber keinen Dosenöffner“. Die Pflanze kommt ohne Verwitterung nicht an die Nährstoffe. Die Böschung ist vorbereitet und Oliver Wegener hält eine große rechteckige Holzplatte senkrecht gegen die glatte Fläche. Er zeichnet mit einem Spatel den Rand der Platte nach. Jetzt hat er die Größe des späteren Bodenprofils markiert. Mit Messern und Maurerkellen kratzt er rund um die Holzplatte die Erde weg. Ein Block von etwa zehn Zentimetern Tiefe ragt jetzt aus der Böschung. Nun stülpt er eine vorbereitete Holzkiste über den frei präparierten Erdblock. Noch hängt der Bodenblock an der Böschung fest. Mit der Kraft seines ganzen Körpergewichts drückt Wegener die Kiste fest an den Block und löst diesen mit langen Messern und Spateln nach und nach ab. Jetzt wird’s spannend: Bleibt der Block unversehrt, wenn er die Kiste samt 120 Kilo Boden von der Wand abkippt? Diesmal hat’s geklappt. Wegener nimmt jetzt 20 000 Jahre Bergsträßer Landschaftsgeschichte in einer Holzkiste mit nach Wettenberg bei Wetzlar. Dort muss das Profil erst mal trocknen, bevor der zu Boden gewordene Eiszeitstaub mit einem Spezial-Lack fixiert werden kann.
Etwa drei Monate dauerte es, bis alle vier Bodenprofile fertig waren. Seit April 2007 hängen sie hier am Hauptgebäude der Bergsträßer Winzergenossenschaft und geben den Besuchern des Geopark-Erlebnispfades „Wein und Stein“ einen außergewöhnlichen Einblick in die Jahrtausende alte Welt unter den Füßen. |



50 Stationen Reben, Geologie 


