14 Kunstwerke auf 7 Kilometern

Am Anfang war es nur eine Idee. Reinhard Antes (54), der Vorsitzende der Bergstraße Winzer eG, weihte nur wenige Vertraute ein. Sein Plan war groß. Die Zahl möglicher Bedenkenträger wäre noch größer gewesen. "Die Heppenheimer erklären Dir immer erst, warum etwas nicht geht", sagte er gestern bei einem Ortstermin an der "Winzerrast" in der Weinlage Steinkopf.

Antes ist Winzer. Das Sammeln von Mineralen ist sein Hobby. Einen Erlebnispfad "Wein und Stein" zu kreieren, lag für ihn auf der Hand. Zwei Jahre nach Eröffnung ist jedem klar, dass es keine Schnapsidee war. Der Erlebnispfad wird angenommen.
Einige Tausend Besucher

Wie viele ihn schon gegangen sind, weiß Antes nicht. "Ich könnte jetzt protzen und die Teilnehmer der beiden Weinlagenwanderungen seit der Eröffnung hinzuzählen," lacht er. Einige Tausend waren es aber schon.

Auf dem neu renovierten Weinberghaus vor der Winzerrast, das der Jagdpächter Gernot Jakobi und seine Mitjäger renoviert haben, befinden sich zwei Internet-Kameras, sogenannte Webcams. Im Abstand von wenigen Sekunden werden hier Bilder gemacht.

Von der Winzerrast kann man eine der beiden Kameras auf Knopfdruck auslösen und die Daten daheim auf dem Computer herunterladen. Vor allem Pärchen und Gruppen nutzen dieses Foto-Shooting im Grünen. Mehr als 4000 Mal wurde dieser Service inzwischen in Anspruch genommen.

"Die Besucher auf der Homepage sind nicht zu zählen", sagt Antes. Ganz selten, dass niemand auf der Seite ist. Nach und nach weihte Antes immer mehr potenzielle Sponsoren in seine Pläne ein. Bisher gab es niemanden, der seine Hilfe versagte.

Der Erlebnispfad Wein und Stein ist knapp sieben Kilometer lang. An 50 Stationen kann man auf Schautafeln etwas über den Wein, andere Pflanzen und die Geologie erfahren. 14 Kunstwerke sind auf der Strecke zu bewundern. Vor allem heimische Künstler haben sich hier verewigt.
Werbung für den Wein

Mit sehr viel Eigenhilfe und der Unterstützung der Sponsoren wurden hier insgesamt Werte von über 200 000 Euro geschaffen.

Otto Guthier (56), der Geschäftsführer der Bergsträßer Winzer eG, hält den Erlebnispfad für einen Gewinn für die Bergsträßer Weinbau-Betriebe und die Bergstraße überhaupt. Immer mehr Menschen würden so das Landschaftserlebnis mit dem Weinbau und dem Wein verbinden.

Es ist eine Werbung, wie sie nicht besser sein könnte. Bis jetzt wurden Tausende von Flyern gedruckt, die auf den Erlebnispfad hinweisen. Diese Flyer liegen beispielsweise jeder Aussendung der Bergstraße Winzer eG bei. Dass der Erlebnispfad vor den Toren der Winzer eG beginnt, nennt Guthier augenzwinkernd "reinen Zufall".

Es wird in diesem Jahr zunehmend in Gruppen gewandert, während im vorigen Jahr meist einzelne Spaziergänger oder Paare unterwegs waren. "Die haben daheim erzählt, wie schön es hier ist, und haben beim nächsten Mal ihre Freunde mitgebracht", weiß Antes, der nach wie vor Sponsoren sucht, weil er noch diverse Ideen verwirklichen will.

Der Erlebnispfad streift von Heppenheim kommend die Bensheimer Gemarkung und führt durch die Lagen Steinkopf, Stemmler, Paulus, Hemsberg und Centgericht. Wer die Kunstwerke genießen und die Schautafeln lesen will, sollte sich mindestens drei Stunden - besser vier - Zeit lassen. Dann ist auch noch eine Rucksack-Vesper im Grünen drin.

Der Erlebnispfad ist nicht nur für Wanderer von nah und fern ein Anziehungspunkt. Mehr und mehr kommen Abordnungen von Weinbauverbänden oder Winzergenossenschaften und fragen bei Antes nach, wie man einen solchen Erlebnispfad anlegen kann. "Ich mache auch Führungen für meine Kollegen", sagt der Ideengeber.

Quelle: Bergsträßer Anzeiger · 29.07.2009

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