Klimawandel beschert früheste Rebblüte seit Menschengedenken

Bei dreißig Grad und drohender Gewitterschwüle erlebten die Mitglieder der Weingilde Bergstraße am Freitag vor Pfingsten in den Weinbergen am Heppenheimer Steinkopf die früheste Rebblüte seit Menschengedenken. Als die Begehung vergangenen Winter geplant und terminiert wurde, konnte niemand ahnen, dass sich der vieldiskutierte Klimawandel auch in diesem Jahr so markant fortzusetzen scheint. Nachdem an der Bergstraße seit etwa einer Dekade mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und nun auch noch Tempranillo rote Sorten angebaut werden, die eher an mediterane Gefilde denken lassen, wollte man sich von kompetenter Seite über den Einfluss veränderter Witterungsbedingungen auf den Rebsortenspiegel informieren. Reinhard Antes, der mit seinem Bruder Helmut einen der größten Weinbaubetriebe der Hessischen Bergstraße und einen der bedeutendsten Rebveredlungsbetriebe Deutschlands führt, verblüffte dann auch mit Fakten, die selbst der Weingilde nicht geläufig waren. Einschließlich der verschiedenen Klone auf unterschiedlichen Unterlagen kann das Haus Antes über einhundert Rebsorten zur Verfügung stellen, die in fast alle weinbaulich relevanten Länder Europas gehen.

Auf dem Weg zum Heppenheimer Steinkopf machte die Gruppe zunächst an einer Weinbauanlage halt, die nicht sofort als solche erkannt wurde. An einem waagrechten Drahtrahmen wachsen sogenannte amerikanische, reblausresiste Unterlagsreben, auf die unsere Ertragssorten aufgepfropft werden. Die Edelreiser gewinnt Antes aus seinen eigenen Wingerten, die am Steinkopf seit Ende April durch den Erlebnispfad „Wein & Stein“ erschlossen werden können. Auf knapp sieben Kilometern bieten 30 Tafeln ausführliche Informationen zu allen wichtigen Weinbauthemen. So erklärt eine Schautafel den komplizierten Lebenszyklus der Reblaus in Sichtweite des „Rebmuttergartens“, der 1927 zur Vermehrung reblausresistenter Unterlagsreben gegründet wurde. Pikanterweise wurde hier vor zwei Jahren erstmals die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus nachgewiesen, die dank Pfropfreben allerdings keinen großen Schaden anrichten kann.

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