Skulptur bei Blitz und Donner enthüllt

Bergstrasse. So hatten sich die Bergsträßer Winzer e.G. und der Geo-Naturpark Bergstraße- Odenwald die Übergabe der jüngsten Skulptur auf dem Erlebnispfad Wein und Stein sicher nicht vorgestellt: Ein Regenmarathon sowie Blitz und Donner machten die Enthüllung des Kunstwerks "Zwischen Granit und Sandstein - die Geburt des Weins" zum "Quicky".

Im Schnelldurchgang und ohne viel Federlesens befreiten Gebietsweinkönigin Kathrin Wind und Dr. Jutta Weber vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald die Skulptur von dem verhüllenden Tuch. Kunst und Menschen standen buchstäblich im Regen. Der Sturm brach los. Die in Kooperation mit dem Unesco-Geopark initiierte Freiluft-Veranstaltung, die Bestandteil der europäischen Geoparkwoche war, war damit zu Ende.

Die Odenwälder Bildhauern Eva-Gesine Wegner hatte ihre Arbeit vor Ort am 9. Mai an der Station "Lebensraum Weinberg", auf halber Strecke zwischen Heppenheim und Bensheim, begonnen und vor wenigen Tagen zu Ende gebracht: Passenderweise am Weinberg des langjährigen Kellermeisters der Bergsträßer Winzergenossenschaft, Hans-Jürgen Weber. "Wir wollten ein spezielles Zeichen geben und der Arbeit des Ruheständlers als Geburtshelfer für den Wein ein Denkmal setzen", formulierte der Vorsitzende der Genossenschaft, Reinhard Antes, in einer kurzen Ansprache. Auch er musste den dunklen Gewitterwolken Tribut zollen und improvisieren, beziehungsweise seine Rede abbrechen.

Angesichts der immer bedrohlicher werdenden Wetterlage hatten sich Bürgermeister Gerhard Herbert und Landrat Matthias Wilkes, der auch Vorsitzender des Geo-Naturparks ist, in ihren Reden kurz gefasst. Beide hoben die Verbindung "Kunst im/und Weinberg" als etwas Besonders hervor. Wilkes freute sich darüber hinaus, dass sich das Mosaik Weinlehrpfad Stein für Stein zusammen fügt. Der Künstlerin bescheinigte er Respekt für deren Kreativität und ihre "Schwerstarbeit".

Vier Skulpturen sind es inzwischen, die den Pfad zu etwas Einmaligem machen. Neben Eva-Gesine Wegners Arbeit "Zwischen Granit und Sandstein wird der Wein geboten" stehen dort die Steinskulpturen "Terra Starkenburg", "Strata Montana" und der "Centurio". Etliche andere Weinanbaugebiete schicken mittlerweile sogar ihre offiziellen "Spione" an die Bergstraße, um zu hören und zu sehen, wie das Experiment ankommt.

"Bestens", sagte dazu Reinhard Antes im Gespräch. Immer mehr Schulklassen und Gruppen wandern auf den Wegen zwischen den Weinbergen, bewundern Kunst und informieren sich auf einer Strecke von rund 6,9 Kilometern an rund 30 Stationen über Wissenswertes rund um den Wein: über Rebsorten, Geologie, Klima, Geschichte, Lebenskultur, Flora und Faune der Region. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben den Erlebnispfad Wein und Stein bereits mehr Menschen besucht als in 2007.

Der Vorsitzende der Bergsträßer Winzer e.G. sprach von einer historischen Verpflichtung, mit dem Pfad ein Signal zu setzen für die enge Verbindung des Weinbaus mit der Geschichte der Städte an der Bergstraße über viele Jahrhunderte hinweg.

Auch touristischer Aspekt
Bevor das Unwetter über Heppenheim losbrach, zählte er noch einige andere Aspekte auf, die für einen Erlebnis- und Weinlehrpfad sprechen. Zum einen war es die landschaftspflegerische Komponente, zum anderen wolle man damit ein größere das Verständnis für das Kulturgut Wein erreichen und letztendlich die natürlichen, geologischen und klimatischen Besonderheiten aufdecken. Und natürlich spielen auch touristische und Marketingaspekte eine Rolle. "Eine Weinregion lebt vom ästhetischen Erscheinungsbild ihrer Landschaft als Emotionsfaktor", so Antes. Andere Regionen haben Weinschlösser oder Klöster. Die Bergstraße hat jetzt den Erlebnispfad. Für die Zukunft werde bei der Erweiterung des Pfades insbesondere das Thema Klimawandel eine wichtige Rolle spielen.
Die Künstlerin Eva Gesine-Wegner wurde in Polen geboren. Seit mehr als 25 Jahren ist sie künstlerisch tätig und änderte ihre Arbeitsweise nach und nach. Sie kam vom Ton zum Stein. Und wurde Bildhauerin.

Bergsträßer Anzeiger
 · 09. Juni 2008

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